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Festrede von Kurt Fluri H! am Centralfest 2013

Vielen ist es noch in lebhafter Erinnerung - das Centralfest 2013 in Solothurn. Nebst den Festivitäten und dem heiteren Beisammensein war es nicht zuletzt die Festrede von Kurt Fluri H!, welche die Anwesenden zu erwärmen wusste. Glücklicherweise kommen wir in den Genuss die Abschrift ebendieser Festrede dem geneigten Besucher zu präsentieren. Die Rede kann in voller Länge über den "Weiterlesen"-Link genossen werden.

 

Centralfest Helvetia

06./07. Juli 2013

Festansprache von Stadtpräsident & Nationalrat Kurt Fluri H!

 

 

 

Herr Centralpräsident

Liebe Couleurbrüder

Chers frères de couleur

 

Comme président de la ville de Soleure c'est un honneur et un grand plaisir pour moi, de vous souhaiter au nom des autorités de la Ville de Soleure la cordiale bienvenue dans nos murs.

 

Vorweg möchte ich Euch im Namen der Stadt Solothurn, ihrer Behörden und ihrer Einwohnerschaft, ganz herzlich in Solothurn willkommen heissen. Es freut uns wirklich ausserordentlich, dass Ihr Euch für dieses Centralfest für unsere Kleinstadt entschieden habt.

 

Bei der Suche nach einem geeigneten Versammlungsort haben sich die Verantwortlichen sicher unter anderem auch für Solothurn entschieden, weil wir eine kleine, übersichtliche Altstadt haben, welche eine reiche couleurstudentische Vergangenheit aufweist und die dafür notwendige Infrastruktur besitzt, nämlich Altstadtgassen, die auch vor dem Stamm schon eng und krumm sind, so wie natürlich unzählige Wirtshäuser unterschiedlichster Provenienz. Einigen ist vielleicht auch noch das 175. Jubiläum in guter Erinnerung, das wir am 23./24. Juni 2007 in Solothurn begangen haben.

 

Die älteste Mittelschulverbindung Solothurns, die Wengia, gegründet 1884, ist bekanntlich eine recht zuverlässige Lieferantin von Helveternachwuchs, aber auch die anderen vier Verbindungen sind bekannt für einen regen Couleurbetrieb. Glücklicherweise haben es alle fünf Solothurner Mittelschulverbindungen geschafft, nach teilweise harten Zeiten eine Aktivitas bis in die heutigen Tage zu erhalten. Der Wengia beispielsweise, welcher fast alle Solothurner Helveter angehören, geht es zur Zeit ausgesprochen gut in Bezug auf die Zahl der Aktiven.

 

Lasst mich vorweg einige Ausführungen zum Genius Loci, zur Stadt Solothurn in Geschichte und Aktualität machen:

 

 

2000 Jahre Stadt Solothurn

 

In der ersten Hälfte des ersten Jahrhunderts drangen die Römer unter Tiberius und Drusus über die Alpen nach Norden vor und erreichten den Rhein, der lange Zeit die Nordgrenze ihres Reiches bildete. Ungefähr zwischen 15 und 25 nach Christus, zur Zeit des römischen Kaisers Tiberius, errichteten die römischen Sappeure an einer engen Stelle der Aare eine befestigte Brücke auf dem Heerweg zwischen Aventicum bzw. Avenches einerseits und Augusta Raurica bzw. Kaiseraugst sowie Vindonissa oder Windisch andererseits. Die Spuren dieser ersten Brücke sind im Keller des Alten Spitals gefunden worden, in dem wir gestern Abend den Centralkommers genossen haben. Anhand der Untersuchungen dieser Holzreste kann man also die Zeit der Gründung des damaligen Castrums Salodurum definieren. Salodurum ist übrigens keltischen Ursprungs und bedeutet soviel wie ein ‘Wassertor‘, eine enge Stelle am Fluss, wo es eben günstig war, eine Brücke zu errichten. Wir werden also nächstens die 2‘000-Jahr-Feier begehen können. Da wir aber kein genaues Datum wissen, sind wir völlig frei, das Fest dann zu begehen, wenn wir mit den Vorbereitungsarbeiten soweit sind…

 

Nach der römischen Zeit gehörte unsere Stadt lange zum Königreich Burgund und hatte dabei eine gewisse Bedeutung auf dem damals wichtigen Handelsweg zwischen dem Norden und dem Süden Europas. Damals wurden die Güter über die beiden Hauensteinpässe und anschliessend dem Jurasüdfuss entlang und später über den Grossen St. Bernhard in den Süden geführt und umgekehrt, bis dann im 13. Jahrhundert bekanntlich die Innerschweizer den Gotthardpass säumten und bewirtschafteten.

 

Die nächste wichtige Epoche beginnt mit dem Abschluss der Religionswirren um 1530. Damals nämlich ist einer meiner Vorgänger, Schulheiss Niklaus Wengi, vor die Kanone der Katholischen gestanden, welche unten an der Aare über den Fluss gegen die Reformierten schiessen wollten. Mit dem berühmten Spruch „Bevor Bürgerblut fliesst, soll das meinige zuerst fliessen“ bewirkte er die Einstellung der Feindseligkeiten. Das Verbleiben des Standes Solothurn beim alten Glauben hatte unter anderem zwei wichtige Folgen:

 

Zum einen war damit die territoriale Ausdehnung des Standes weitestgehend abgeschlossen, duldete doch das mächtige protestantische Bern keine Vergrösserung des katholischen Solothurns. Zweitens betrieben die französischen Könige von Solothurn aus das Söldnerwesen, das in den reformierten Ständen nicht mehr möglich war. Zwingli und Calvin nämlich haben das Söldnerwesen verboten.

 

Comme vous le savez bien, Soleure, la ville la plus romande en Suisse alémanique, a gardée de bons souvenirs de la période brillante, où les envoyés des rois de France donnaient le ton sur les bords de l'Aar. Effectivement, l'Ambassadeur de France résida constamment de 1530 - 1792 dans la petite ville de Soleure avec ses quelques 4000 habitants. Celui-ci entretenait des relations d'amitié avec cet Etat fidèle, allié utile pour différentes raisons: Le service à l'étranger fleurissait; sous la règne de Louis XIV il y aurait eu pendant une assez longue période quinze compagnies soleuroises de 200 hommes au service du roi, ce qui était beaucoup pour un canton d'alors environs 32'000 habitants.

 

Zahlreiche solothurnische Söldnerführer wurden in den französischen Diensten geadelt, kehrten reich versehen mit Pensionen und Renten zurück und errichteten hier feudale Herrschaftshäuser in der Stadt bzw. Sommersitze ausserhalb der Stadt. Deshalb ist unsere Altstadt wesentlich geprägt vom französischen Einfluss und heisst denn auch Ambassadorenstadt. Wegen der barocken Bauelemente aus dieser Zeit nennt sich Solothurn auch „schönste Barockstadt der Schweiz“.

 

Heute ist Solothurn eine Kleinstadt von bloss rund 17000 Einwohnerinnen und Einwohnern, welche allerdings das kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zentrum einer viermal grösseren Agglomeration ist und deshalb auch die bekannte und allen Schweizer Städten mit Zentrumsfunktionen eigene Zentrumsproblematik kennt.

 

Die Stadt Solothurn legt seit langer Zeit grossen Wert auf die Erhaltung eines reichen Kulturlebens. Das Städtebundtheater Biel/Solothurn – notabene das kleinste, gleichzeitig aber auch das einzige zweisprachige Berufstheater unseres Landes –, 3 städtische Museen, das Begegnungszentrum Altes Spital, Film- und Literaturtage sowie unzählige Veranstaltungen mit Unterstützung der Stadt führen zu Kulturausgaben in der Höhe von netto rund 8 Mio. Franken oder 7,6 % des Budgets bzw. 12 % des Steuerertrages. Im schweizerischen Vergleich stehen wir damit nach Basel, Genf und Luzern immer etwa an 4. Stelle der Schweizer Städte, gemessen an den Pro-Kopf-Ausgaben für die Kultur.

 

Je ne veux pas vous ennuyer avec les problèmes, qui préoccupent notre ville. Ils sont d'ailleurs les mêmes, comme on les trouvent dans toutes les villes et communes suisses. La ville de Soleure est avec ses environs 17'000 habitants le centre économique et culturel d'une région de 80'000 habitants en totale. Comme petite ville elle doit assumer des investissements importants pour son infrastructure, pour ses fonctions de centre et pour ces installations culturelles (p. ex. le théâtre mené en commun avec la ville de Bienne, le seul théâtre bilingue professionnel en Suisse, les 3 musées, la bibliothèque centrale etc.) Ce n'est pas étonnant  que depuis des années déjà, Soleure se trouve dans les statistiques parmi les quelques villes, qui présentent les dépenses culturelles les plus grandes réparties par habitant. Actuellement nous sommes la quatrième ville après les villes de Genève, Bâle et Lucerne avec 7,6 % du budget.

 

Vielleicht war es die Zahl 11, die die Verantwortlichen auf die Idee kommen liessen, unsere Stadt zum Festort auszuwählen. Bekanntlich ist der Paragraf 11 ein unser Couleurleben dominierender Artikel unseres Comments, anderseits handelt es sich bei der Zahl 11 auch um die so genannte heilige Solothurnerzahl.

 

Vermutlich war es die 11. römische Legion, in welcher unsere Stadtheiligen Urs und Viktor Dienst leisteten, was zu dieser Zahl führte. Insgesamt nämlich seien sechs mal 11 oder 66 Christen wegen ihres Glaubens in Solothurn geopfert worden. Die St. Ursenkathedrale, unser heutiges Wahrzeichen, weist zahlreiche Bauelemente auf, die sich mit der Zahl 11 in Verbindung bringen lassen. So ist der Turm 66 Meter hoch, die Fassade der Kathedrale ist drei mal 11 Meter hoch, sie weist 11 Glocken, 11 Altäre und 11 Türen auf. Ihre Bauzeit betrug 11 Jahre und die Weihtreppe wird unten von zwei Brunnen eingerahmt, aus denen je 11 Wasserstrahlen vom obersten Becken in die Tiefe fallen. Die Freitreppe weist drei mal 11 Stufen auf, und dem St. Ursenstift gehören elf Chorherren an. Die Altstadt zählte und zählt viele Beispiele dieser Zahl 11: 11 historische Figuren-Brunnen, 11 Plätze, 11 Tore, 11 Türme, 11 Kirchen, 11 Klöster; die St. Ursen-Kathedrale hat eine Freitreppe mit 3 mal 11 Stufen, 11 Altäre und 11 Glocken; 11 Zünfte; unser FC hat seit eh und je 11 Spieler...

 

Nous, les Soleurois, apprécient les vins de la Romandie et spécialement le vin de notre bourgeoisie, qui est cultivé avec beaucoup de soins aux bords des lacs de Neuchâtel et de Bienne. Ce vin était transporté autrefois sur l’Aar – chargé sur Soleure. Tant le temps en buvant du vin, la gaieté des bateliers s’augmentait, en se rapprochant de Soleure. De ces temps là existe l’expression ‘chargé pour Soleure’ ou ‘être sur Soleure’, un bonmot qui est – comme je le sais – toujours bien connu chez nos amis romands.

 

Dieser Wein stammt aus rund zwölf Hektaren, die unsere Bürgergemeinde an den Ufern des Bieler- und des Neuenburgersees besitzt, nämlich in Auvernier, Le Landeron, Schaffis und Cressier. Ein anderer meiner Vorgänger, Niklaus Wengi der Ältere, hat 1466 diese Weingüter mangels Nachkommen dem Spital Solothurn vermacht, unter anderem mit der Auflage, dass die Patienten im Spital Anrecht haben auf ein Mass Wein täglich, was etwa 1,8 Liter entsprach…

 

 

Helveter Werte – liberale Werte

 

Liebe Couleurbrüder, liebe Gäste: Unsere Gesellschaft erfährt durch die Studentenverbindungen eine grosse Bereicherung. Die abnehmende Bereitschaft zu freundschaftlichem, aber auch politischem Engagement und der zunehmende Trend, sich seine Freizeit einzukaufen, ohne dabei irgendwelche Bindungen und Verpflichtungen eingehen zu müssen, sind für mich nicht einfach ein Symptom eines Wertewandels, wie das Soziologen auszudrücken pflegen. Nein, das ist für mich ganz klar ein Wertezerfall, und ich bin überzeugt, dass unsere Gesellschaft und unser Land darunter leiden werden und bereits leiden. Ich bin deshalb ebenso davon überzeugt, dass Anlässe dieser Art nicht nur den Sinn haben, Wiedersehen zu feiern und zu begiessen, sondern auch eine Wieder- und Rückbesinnung auf die Werte hinter unserer Verbindung bewirken sollen. Dabei erinnern wir uns an unsere Devisen, die uns nicht nur während der Aktivzeit, sondern eigentlich während unseres ganzen Lebens Leitplanken sein sollen. Diese wiederum erinnern uns daran, dass wir uns engagieren sollen, für die freundschaftlichen Beziehungen, aber auch für unsere Gesellschaft.

 

Als Helveter kommt man sich zurzeit in der Politik etwas einsam vor, auch wenn ich mit Lorenz Hess H! nun einen Nationalratskollegen erhalten habe. Grundsatzorientierte Diskussionen und Entscheide sind heute alles andere als selbstverständlich. Der Opportunismus ist nicht verfemt, sondern in breiten Kreisen akzeptiert und in Form des Populismus’ geradezu empfohlen. Couleurstudenten im Allgemeinen und Helveter im Speziellen wären bestens geeignet, unsere Politik wieder etwas besser in ein an Grundsätzen orientiertes Gesamtbild einzufügen und durch eine liberale Wertehierarchie zu prägen. Im Interesse unseres Landes hoffe ich, dass sich, wie das früher üblich und selbstverständlich war, in Bälde in unseren Parlamenten und Exekutiven wieder vermehrt Helveter-Persönlichkeiten finden lassen. Die Politik hat Helvetergeist bitter nötig. Und wir wiederum sind, davon bin ich überzeugt, von der Gründungsidee  unserer lieben Helvetia her geradezu verpflichtet, uns für unsere Gesellschaft und damit auch politisch in irgendeiner Form zu engagieren. Schliesslich und eigentlich erstaunlicherweise haben die 1848 und 1872 in der Verfassung verankerten Werte und Grundsätze wie der Föderalismus, das Subsidiaritätsprinzip, die direkt demokratischen Institutionen sowie die absolute Gleichberechtigung der beiden Kammern der Bundesversammlung dafür gesorgt, dass die Schweiz trotz eines grossen zentrifugalen Potentials mit ihren verschiedenen Sprachen und Kulturen ein Bundesstaat geblieben ist und sich nach wie vor keinerlei Absetzbewegungen abzeichnen.

 

Unsere Verbindung ist politisch unabhängig, gesinnungsmässig und von ihrer Entstehungsgeschichte her liberal. Der Liberalismus ist eine politische Haltung, die in der heutigen Zeit der medial vermittelten Politik einen schweren Stand hat. Gefragt sind Schwarz-Weiss-Lösungen, die pointiert, beispielsweise in Form einer Arena, einander gegenüber gestellt und dramatisch verstärkt hochgespielt werden können. Der Liberale aber muss komplexe Fragen häufig mit ‚Ja, aber’ oder mit ‚Nein, aber’ beantworten, weil er den Ausgleich der Interessen sucht und differenzieren muss. Der Liberalismus ist per definitionem kein Ausdruck eines geschlossenen und abschliessenden Weltbildes. Eine liberale Haltung nicht nur im Sinne eines Wirtschaftsliberalismus’, sondern auch gesellschaftspolitisch, ist offen, lässt neue Entwicklungen zu, verweigert sich nicht a priori vordergründig Abwegigem, lässt Unkonventionelles zu und hat ein positives, optimistisches und tolerantes Menschenbild. Das Gegenteil ist eine ein-, aus- und abgrenzende, erstarrte Gesellschaft. Der Liberale wird bei oberflächlich herrschender Einigkeit misstrauisch, er hinterfragt Trends und Moden. Der Liberalismus ist gerade aus diesem Grund sehr häufig in einer Minderheitsposition, weil er eben nicht mit dem Strom schwimmt, weil er stillschweigende Mehrheiten hinterfragt. Das Problem, das sich ihm heute stellt, kann als ‚Dilemma zwischen programmatischer Breite und propagandistischer Zuspitzung’ definiert werden. Dem Liberalen begegnet zwangsläufig immer wieder der Vorwurf, man wisse ja nicht, wofür er einstehe. Sehr häufig fehlen aber dem Fragenden die Geduld und das Interesse, vielleicht auch das nötige Wissen und der intellektuelle Hintergrund, differenzierte Antworten auf anstehende Fragen zur Kenntnis zu nehmen und zu reflektieren. Wer von den Medien und von den am linken und rechten Pol angesiedelten Parteien darauf getrimmt worden ist, alle Probleme liessen sich entweder ausschliesslich so oder dann ausschliesslich so lösen, bringt tendenziell weniger Verständnis auf für differenzierte Lösungen. Es ist zu hoffen, dass unser Volk wieder erkennt, dass komplexe Fragen nur differenziert und mittels Ausgleich der verschiedenen Interessen gelöst werden können, weil Extremlösungen in unserem Lande nicht mehrheitsfähig sind.

 

Wir alle, und vor allem die Aktiven, die Inaktiven und die jüngeren Alten Herren, werden in den nächsten Jahrzehnten für unser Land wichtige strategische Fragen entscheiden müssen. 

 

Da wäre beispielsweise einmal unser Verhältnis zur Europäischen Union. Selbstverständlich kann man einem Beitritt absolut ablehnend gegenüberstehen und den heute eingeschlagenen Weg des Bilaterismus weiterverfolgen, wie ich das auch möchte. Nur muss man dabei zur Kenntnis nehmen, dass auf der anderen Seite ein Partner steht, der mit seiner neuen und sich noch erweiternden Mitgliederstruktur zunehmend weniger auf Gegenleistungen unseres Landes angewiesen ist. Der sog. ‚autonome Nachvollzug’, der sich auf die Alternative beschränkt, entweder Regelwerke der EU tel quel zu übernehmen oder aber dann den bilateralen Weg wieder verlassen zu müssen, ist keine echte Autonomie.

 

Unsere Sozialversicherungen, namentlich die IV, die AHV, die zweite Säule und auch die Arbeitslosenversicherung, sind vor allem aus wirtschaftlichen und demographischen Gründen ins Schlingern geraten. Deren Sanierung einfach auf dem Buckel der einen oder anderen durchführen zu wollen, ist politisch chancenlos. Früher oder später werden wir zur Kenntnis gelangen, dass zumindest die demographische Situation durch mehr und längere Arbeit, aber auch durch eine höhere Sparquote, private Vorsorge, vermutlich auch durch höhere Beiträge und kleinere Renten und Ersatzeinkommen saniert werden müssen.

 

Unser Gesundheitswesen billiger machen zu wollen im Bewusstsein, dass wir alle mindestens vorderhand noch älter werden und im Krankheitsfall maximale medizinische Leistungen fordern, ist nicht realistisch. Eine Stabilisierung auf dem Wachstum der Teuerung wird wohl das höchste aller Gefühle sein. Aber bereits um dahin zu kommen, kann man nicht nur die Spitäler oder nur die Krankenversicherungen oder nur die Hausärzte als Opfer ausersehen. Auch hier wird ein Fortschritt nur mit einer gewissen Opfersymmetrie möglich sein.

 

Letztes Stichwort: Landesverteidigung: Seit 1989 fehlt uns ein klares, einfach zu vermittelndes Feindbild, was zu einer permanenten Strategiediskussionen führt. Die Lösung liegt sicher nicht in einer Rückkehr zur Armee `61, aber auch nicht in einer verbalen Unterstützung der Armee, wenn sie dann gleichzeitig als finanzpolitischer Steinbruch missbraucht wird. Der differenzierte Auftrag unserer Armee ist weniger leicht überzubringen, weil er nicht schwarz-weiss bzw. rot-blau darzustellen ist.

 

Solche Beispiele gäbe es noch einige. Was ich damit sagen will, ist die Überzeugung, dass diese komplexen Fragen, welche Werte auf der selben Hierarchiestufe betreffen, nicht digital schwarz-weiss gelöst werden können. Wer anders als der Liberale ist dazu prädestiniert, auf diese komplexen Fragen mit differenzierten Lösungen zu antworten? Ich glaube, auch Ihr seid mit mir der Überzeugung, dass es deshalb in Zukunft einer Verstärkung des liberalen Gedankengutes bedarf. Ich möchte Euch deshalb, vor allem natürlich die Jugend als unsere Zukunft, herzlich und überzeugt dazu aufrufen, hinter dem Liberalismus die Idee zu erkennen, welche unserem differenzierten menschlichen Wesen am Ehesten entspricht, menschenverachtende Ideologien, die den Menschen nach ihrem Gusto verändern wollen, ablehnt und Mehrheitsströmungen und Modeerscheinungen kritisch hinterfragt. Deshalb, liebe Helveter, engagiert Euch weiterhin und noch vermehrt für diese liberale Idee, welche unsere Devise Patria mit Inhalt füllt und uns damit weitsichtig den Weg zur Lösung drängender Fragen aufzeigt.

 

Im Gegensatz zu vielen anderen urban geprägten Städten mit einer grossen Agglomeration ist das liberale Gedankengut in Solothurn nach wie vor die stärkste politische Kraft. Dasselbe gilt übrigens für den Kanton Solothurn, sieht man von der Breitbandfraktion ab, welche sich im Kantonsparlament aus den verschiedenen Mitte-Parteien gebildet hat. Während viele andere Städte rot-grün regiert werden, beschränkt sich in Solothurn dies auf das Wengianer-Couleur des Stadtpräsidenten…

 

Vielleicht kann dieses liberale Umfeld dazu beitragen, dass die Helvetia auch weiterhin und verstärkt im liberalen Sinn die Politik unseres Landes mitgestaltet.

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch, liebe Couleurbrüder, weiterhin einen schönen Aufenthalt in unserer Stadt.

 

Maintenant je vous souhaite  deux journées inoubliables dans notre petite ville au bord de l’Aar – individuellement chargé pour Soleure, mais au moins chargé de bons souvenirs.

 

Helvetia ut vivat, crescat, floreat in aeternum!